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Frühgeburt

1.

Definition: Was ist eine Frühgeburt?

Ein Kind gilt dann als zu früh geboren, wenn es vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt. Eine übliche Schwangerschaft dauert in der Regel 40 Schwangerschaftswochen, das sind ca. 9 Monate oder ungefähr 280 Tage nach der letzten Regelblutung.

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Wie häufig sind Frühgeburten?

Frühgeborene wiegen in der Regel weniger als 2.500g, wobei ein zu niedriges Gewicht bei Geburt nicht gleichermaßen bedeuten muss, dass das Kind zu früh geboren wurde. Deutschlandweit kommen pro Jahr ca. 65.000 Kinder zu früh zur Welt, somit ist ca. jedes 9. bis 10. Kind ein frühgeborenes Kind. Fast ca. 10.000 dieser frühgeborenen Kinder pro Jahr werden sogar vor der vollendeten 30. Schwangerschaftswoche geboren.

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Anzeichen für eine drohende Frühgeburt

Ein regelmäßiges und schmerzhaftes Ziehen im Unterbauch kann ein Hinweis auf eine vorzeitige Wehentätigkeit, also auf eine drohende Frühgeburt, sein. Auch eine leichte Blutung oder ein Flüssigkeitsabgang kann ein weiteres Symptom darstellen.

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Diagnose einer sich ankündigenden Frühgeburt

Bei Verdacht auf eine drohende Frühgeburt kann mit einer sogenannten Wehenaufzeichnung über die mütterliche Bauchdecke eine vorhandene Wehentätigkeit festgestellt werden. Zusätzlich kann im Ultraschall eine Verkürzung des Zervixhalses erkannt werden. Werte unter 25 mm sind ein Hinweis für eine vorzeitige Eröffnung des Muttermundes.

Auch mit der Tastuntersuchung kann erkannt werden, ob der Muttermund schon geöffnet ist. Zusätzlich erfolgt eine Untersuchung auf Bakterien („bakteriologischer Abstrich“) aus der Scheide, um zu prüfen, ob eventuell eine Infektion die Ursache für eine vorzeitige Wehentätigkeit darstellt.

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Therapie bei einer drohenden Frühgeburt

Eine vorzeitige Wehentätigkeit kann durch Medikamente vorübergehend gestoppt werden. Die Medikamente werden entweder über eine Infusion oder als Tablette verabreicht.

Hat sich der Muttermund ohne Wehentätigkeit zu früh geöffnet, dann kann durch eine Operation der Muttermund wieder geschlossen werden (Zerklage).

Zusätzlich erfolgt eine sogenannte „Lungenreifung“ des ungeborenen Kindes durch die Gabe von Glukokortikoiden an die Schwangere in Form einer Spritze in den Muskel. Diese Lungenreifegabe verringert glücklicherweise zusätzlich das Risiko für drohende Hirnblutungen bei deutlich zu früh geborenen Kindern.

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Überlebenschancen von Frühchen

Die Überlebenschancen von frühgeborenen Kindern sind sehr unterschiedlich: Je früher das Kind zur Welt kommt, desto anstrengender wird es für das Kind sein, zu überleben. Kommt ein Kind zum Beispiel schon mit 24 Schwangerschaftswochen zur Welt (ca. im 6. Monat) hat es trotz aller Probleme mit ca. 80% noch gute Überlebenschancen.

Mit zunehmender Reife der Kinder steigt die Überlebensrate deutlich über 90%. Kinder, die unabhängig von ihrer Frühgeburtlichkeit mit einem Geburtsgewicht von unter 500 Gramm zur Welt kommen, versterben leider in den meisten Fällen (ca. 90%).

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Therapie und Betreuung eines frühgeborenen Säuglings

Die Therapie und Betreuung frühgeborener Kinder muss in speziellen Zentren mit großer Erfahrung erfolgen. Nur die Versorgung durch erfahrene Teams, bestehend aus speziell ausgebildeten Kinderärzten (Neonatologen) und Pflegekräften, ermöglicht es, möglichst hohe Überlebensraten und niedrige Komplikationsraten zu erzielen.

Gerade, wenn ein Kind bereits sehr früh zur Welt kommt, profitiert es von der Versorgung in einem sogenannten Perinatalzentrum. Dies ist eine Abteilung, die sowohl für das frühgeborene Kind als auch für die betroffenen Eltern die besten Versorgungsstandards rund um die Uhr zur Verfügung stellt.

Die Klinik Hallerwiese / Cnopf'sche Kinderklinik Nürnberg ist als sog. Perinatalzentrum Level 1 anerkannt. Das ist die höchste medizinische Versorgungsstufe für Neu- und Frühgeborene.

Die gute Vernetzung von Pränatalmedizin, Geburtshilfe und Neonatologie sorgt für große Sicherheit bei einer Risiko- und Frühgeburt.

Die ersten Lebenswochen eines frühgeborenen Kindes

Um Ihnen einen kleinen Einblick in den Klinikalltag zu geben, möchten wir Ihnen die ersten Lebenswochen eines frühgeborenen Kindes schildern:

„Hallo, mein Name ist Laura. Ich wurde leider viel zu früh geboren. Schon in der 24. Schwangerschaftswoche verspürte meine Mama Wehen, so dass sie Rat in der Klinik Hallerwiese suchte. Leider konnte man meine Geburt nicht mehr aufhalten. Und so begrüßten mich gleich am ersten Lebenstag ein Team aus Kinderärzten und Kinderkrankenschwestern. Die kümmerten sich wirklich sehr behutsam um mich. Sorgfalt war ja auch notwendig, da ich gerade einmal 600 Gramm wog. Schon von Beginn an hatten alle Angst, dass es mir kalt werden könnte, so legte man mich in einen warmen, kuscheligen Brutkasten, den hier jeder nur Inkubator nennt. Hier war alles für mich drin, was in den ersten Wochen dafür gesorgt hat, dass mir nicht langweilig wurde: Am besten fand ich die Atemhilfe, das war anfänglich ein grünes und dann ein durchsichtiges Schläuchlein, welches mir frische Luft in die Nase blasen konnte. Zu Essen bekam ich natürlich auch: Hier organisierte meine Mama immer ihre leckere Milch, ich glaube, man nennt das „Abpumpen“, und die bekam ich dann immer entweder von meiner Privatschwester oder von meiner Mama gefüttert. Überhaupt waren alle immer in Sorge, dass mich meine Eltern auch wirklich oft genug streicheln und verwöhnen konnten. Dann kam das große Highlight: Als meine Temperatur nicht mehr so stark am Schwanken war, durfte ich raus an die frische Luft: Meiner Mama durfte ich mich auf den Bauch kuscheln, das war toll. Und das geschah dann immer öfter. Als ich schon 4 Wochen alt war, durfte ich das jeden Tag. Dann waren alle glücklich, als ich irgendwann reif wie ein Kind aus der 30. Schwangerschaftswoche war, denn jetzt durfte ich zum ersten Mal meinen Privat-Brutkasten verlassen und in ein Bettchen für große Babys umziehen. Mama und Papa kamen jetzt immer öfter und haben alles für mich gemacht, als wenn ich zuhause wäre: Baden, Füttern, Wickeln… Meine Mama war ganz glücklich, als die Ärzte des Teams ihr verrieten, dass ich jetzt so stabil sei, dass ich sogar auf eine ganz normale Station für Babys durfte und nicht mehr auf der Intensivstation liegen musste!
Alle haben sich sehr gefreut, als ich satte 2000 Gramm wog und bereits alleine trinken konnte, da war ich ja auch schon sehr groß und alt: die Ärzte nannten es die 36. Schwangerschaftswoche und erklärten meinen Eltern, dass ich nun endlich nach Hause dürfte…!
Anfangs habe ich mein Privatteam in der Klinik schon vermisst, aber nach 6 Monaten zu Hause wollten mich alle noch einmal sehen, um zu überprüfen, ob ich mich auch richtig entwickeln würde…“

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Wie kann man einer Frühgeburt vorbeugen?

Durch eine regelmäßige Schwangerschaftsvorsorge kann der Frauenarzt frühzeitig eine Veränderung des Muttermundes erkennen. Dies ist mit der Messung der sogenannte Zervixlänge mit Ultraschall möglich.

Eine ausgewogene Ernährung mit bewussten Ruhepausen im Alltag ist angezeigt. Rauchen sollte auf jeden Fall vermieden werden.

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Kontakt und Abteilungen

Ansprechpartner, Kontakt und Termine

Sylvia Langer
Sekretariat Geburtshilfe, Pränatalmedizin
Klinik Hallerwiese, Nürnberg
(Terminvereinbarungen für Sprechstunde und Ambulanz)

Telefon: 09 11 / 33 40 - 23 00
Fax: 09 11 / 33 40 - 23 01
E-Mail 

Sonja Nosovsky
Sekretariat Neonatologie, Kinder-Intensivmedizin

Telefon: 09 11 / 33 40-32 40
Fax: 09 11 / 33 40-32 41
E-Mail