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Behandlung von Blutkrankheiten (Hämatologie)

1.

Was sind hämatologische Erkrankungen?

Hämatologische Erkrankungen sind

  • zahlenmässige Veränderungen (Vermehrung oder Verminderung) der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) oder der Blutplättchen (Thrombozyten) oder
  • Funktionsstörungen dieser Zellen.
  • Die Veränderungen können angeboren oder erworben sein.
2.

Woran merke ich, dass mein Kind eine hämatologische Erkrankung hat

Rote Blutzellen

Die wichtigste Aufgabe der roten Blutzellen (Erythrozyten) ist es, den lebensnotwendigen Sauerstoff, der in den Lungen aufgenommen wird, durch die Blutgefäße in die Organe und Gewebe des Körpers zu transportieren. Sind rote Blutzellen nicht in ausreichender Menge vorhanden oder nicht funktionstüchtig, spricht man von einer Blutarmut (Anämie). Menschen mit Blutarmut haben oft eine auffallend blasse Haut. Der Körper wird nicht mehr mit ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, daher leiden sie oft auch unter leichter Ermüdbarkeit, Luftnot bei körperlicher Anstrengung, Leistungsminderung und Kopfschmerzen.
Ein häufiges Symptom einer Störung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sind damit Blässe, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Ikterus (Gelbverfärbung der Haut oder der Augen), Vergrößerung von Milz und Leber.

Weiße Blutzellen

Die weißen Blutzellen sind für die körpereigene Immunabwehr verantwortlich. Sie erkennen Krankheitserreger und machen diese unschädlich. Wenn die Zahl der weißen Blutkörperchen im Blut verringert ist oder sie nicht funktionstüchtig sind, können Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze nicht mehr wirkungsvoll abgewehrt werden. Der Organismus ist dann anfällig für Infektionen. Zu den Erkrankungen der weißen Blutzellen gehören in erster Linie erworbene oder angeborene Formen der Neutropenie mit einem Mangel an weißen Blutkörperchen. Eine zahlenmäßige oder funktionsmäßige Einschränkung der Funktion der weißen Blutkörperchen manifestiert sich damit meist in einer erhöhten Infektanfälligkeit bzw. durch besonders schwer oder hartnäckig verlaufenden Infektionen.

Blutplättchen

Die Blutplättchen (Thrombozyten) sind kleine Zellen ohne Zellkern, die hauptsächlich für die Blutstillung verantwortlich sind. Sie sorgen dafür, dass bei einer Verletzung die Wände der Blutgefäße innerhalb kürzester Zeit abgedichtet werden und eine Blutung zum Stillstand kommt. Ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) entsteht, wenn beispielsweise nicht ausreichend Blutplättchen gebildet oder wenn diese vorzeitig abgebaut werden. Thrombozytopenien können angeboren oder auch im Laufe des Lebens erworben und zum Beispiel durch bestimmte Medikamente, Infektionen oder Störungen des körpereigenen Abwehrsystems ausgelöst werden. Ein Mangel an Blutplättchen kann sich durch häufiges Nasen- oder Zahnfleischbluten oder kleinere Hautblutungen (Hämatome, Petechien) äußern.

3.

Untersuchungen

Grundlage für Diagnostik und Therapie von Bluterkrankungen sind die AWMF-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Onkologie und Hämatologie.Eine ausführliche Erhebung der Krankenvorgeschichte und eine sorgfältige klinische Untersuchung sind zunächst unabdingbare Voraussetzungen für weiterführende, das Kind möglichst schonende und dennoch rasch zielführende Untersuchungen. Diese Untersuchungen umfassen:

  • Blutuntersuchung bezüglich der Zahl- und der Funktionsfähigkeit der einzelnen Blutzellen,
  • Messen indirekter Hinweise auf einen Zerfall von Blutzellen,
  • Untersuchung auf Infektionen mit Viren, Bakterien oder Pilzen,
  • Ggf. bildgebende Diagnostik (Sonographie, Röntgen, Kernspintomographie),
  • Ggf. die Untersuchung des Knochenmarks als der Bildungsstätte der Blutzellen,
  • Ggf. auch genetische Diagnostik.
4.

Therapie

Zunächst erfolgt eine Klärung, ob die festgestellte Veränderung des Blutes überhaupt einer Behandlung bedarf oder ob je nach Erkrankung aus Erfahrung eine spontane Heilung auftreten wird („wait and see“).
Ist z. B. bei einer angeborenen Störung Blutes eine definitive Heilung nicht möglich, so wird eine Behandlung angestrebt, die den Patienten eine möglichst uneingeschränkte Entwicklung ohne Einschränkung ihrer Aktivität ermöglicht.
Als Behandlungsmöglichkeiten kommen in Frage:

  • Bluttransfusionen,
  • Stimulation des Wachstums von Blutzellen durch Wachstumsfaktoren,
  • Unterdrückung der Immunabwehr bei sogenannten Autoimmun-Erkrankungen, bei denen der Körper seine eigenen Blutzellen zerstört,
  • Ggf. Knochenmarkstransplantation an spezialisierten Zentren.
5.

Ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig?

Wenn möglich wird versucht, die Diagnostik und Therapie der Erkrankung ambulant durchzuführen. Manchmal sind umfangreichere Untersuchungen (z. B. Knochenmarkspunktion) notwendig, um die genaue Ursache der Erkrankung feststellen zu können. Für diese Untersuchung sind ebenso wie z. B. für Bluttransfusionen kurzzeitige stationäre Aufenthalte notwendig. Bei Gefährdung der Kinder durch ihre Erkrankung oder zum Einleiten einer längerdauernden Therapie sind auch stationäre Behandlungen über mehrere Tage möglich.

6.

Termin

Terminvereinbarung

Termine für ambulante Untersuchungen können unter der Telefonnummer
0911 – 3340-3000 oder
0911 – 3340-3015
vereinbart werden.

Behandelnde Abteilung

Kinder- und Jugendheilkunde
Hämatologie
Prof. Dr. Wolfram Scheurlen, Chefarzt
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
Schwerpunkt Kinderhämatologie / Onkologie