Darmverschluss (Ileus) - Ursachen, Symptome, Behandlung und OP

Welche Formen gibt es und wie erkennt man einen Darmverschluss? Finden Sie hier alles über Ursachen, Symptome, Behandlung und OP in der Klinik Hallerwiese in Nürnberg.

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Hintergründe

1.

Was ist ein Darmverschluss?

Bei einem Darmverschluss (Ileus) ist die Passage im Bereich des Dünn- oder Dickdarms behindert, sodass es zu einem Aufstau des Darminhalts, bestehend aus Speisebrei und Verdauungssäften, kommt.

Trotz fehlender Nahrungsaufnahme nimmt die aufgestaute Menge weiter zu und zwar einerseits durch anhaltende Produktion von Verdauungssäften (Magen-, Galle- und Bauchspeicheldrüsensekret) und andererseits durch Schädigung des zunehmend überdehnten Darmes mit „Wassereinstrom“ aus dem Blutgefäßsystem.

Folge ist zunächst Übelkeit und Erbrechen und dann auch ausbleibender Stuhlgang.

Unbehandelt entwickelt sich daraus die Ileuskrankheit: Über Wassereinstrom aus dem Blutgefäßsystem in den Darm und Wasserverlust durch ständiges Erbrechen kommt es zur „Austrocknung“ (Exsikkose) des Patienten. Darüberhinaus gelangen aus dem überdehnten Darm Bakterien in das Blutsystem mit Ausbildung einer Blutvergiftung (Sepsis). Es kommt unbehandelt zum körperlichen Verfall mit potentiell tödlichem Ausgang.

2.

Formen des Darmverschlusses

Prinzipiell werden zwei Formen des Darmverschlusses unterschieden.

  • Bei einem mechanischen Ileus ist die Ursache der Passagebehinderung eine echte Blockierung des Darms.
  • Bei einem paralytischen Ileus hingegen liegt keine tatsächliche Blockade vor, es handelt sich um eine Darmlähmung (Paralyse = Lähmung).

Jeder mechanische Ileus kann, nach entsprechender Dauer und ohne geeignete Therapie, durch Überdehnung des aufgestauten Darms oberhalb der Blockade in einen paralytischen Ileus übergehen.

Darüberhinaus kann man einen

  • Dünndarmileus (Blockade und Aufstau im Dünndarm) von einem
  • Dickdarmileus (Blockade und Aufstau im Dick- und Enddarm)

unterscheiden, je nachdem in welchem Darmabschnitt die Passage behindert ist.

Besteht ein Dickdarmileus über einen längeren Zeitraum, kann sich der Aufstau vom Dickdarm bis hoch in den Dünndarm erstrecken.

Ursachen

1.

Ursachen eines mechanischen Darmverschlusses

Ursache eines mechanischen Darmverschlusses sind bei Kindern häufig Verschlingungen und Verdrehungen (Volvolus) des Darms oder eine Ineinanderstülpung (Invagination) von Darmanteilen.

In jedem Lebensalter können aber auch Verwachsungen (Adhäsionen) nach Entzündungen im Bauch oder nach früheren Operationen (z. B. Blinddarmentfernung (Appendektomie) zum Abknicken des Darms oder zu den Darm abschnürenden Narbensträngen (Briden) führen: Adhäsions- oder Bridenileus.

Insbesondere mit steigendem Lebensalter jenseits des 50. Lebensjahres sind auch Tumoren, insbesondere der Dick- und Enddarmkrebs (kolorektales Karzinom) für einen mechanischen Ileus verantwortlich.

2.

Ursachen eines paralytischen Darmverschlusses

Meistens treten Darmparalysen typischerweise in den Tagen nach Operationen auf – als Folge von Narkose, eingeschränkter Beweglichkeit des Patienten und vor allem aufgrund der operativen Manipulationen insbesondere bei Operationen im Bauchraum selbst.

Darüber hinaus kann auch jeder mechanische Darmverschluss, nach entsprechender Dauer und ohne geeignete Therapie, durch Überdehnung des aufgestauten Darms oberhalb der Blockade in einen zusätzlichen paralytischen Ileus übergehen.

Symptome

1.

Symptome eines mechanischen Darmverschlusses

Durch die Blockade des Darms mit zunehmendem Aufstau, kommt es zu wellen- oder wehenartigen Schmerzen im Bauch (Koliken) mit zunehmender Übelkeit und Erbrechen. Hierbei ist also der Darm noch aktiv und versucht den Darminhalt über das Hindernis zu treiben. Es sind ausgeprägte Darmbewegungen spür- und als „hochgestellte, klingende“ Darmgeräusche auch hörbar (Hyperperistaltik).

Anfangs ist das Erbrochene meist Speisebrei (Mageninhalt), später dann gelblich und zunehmend grüner Dünndarminhalt. Liegt der Passagestopp weit unten im Dickdarm, wird braune Stuhlflüssigkeit erbrochen (Koterbrechen = Miserere).

Insbesondere bei höher im Dünndarm liegendem Passagestopp kann anfangs der Stuhlgang noch erhalten sein, kommt aber im Laufe der Zeit dann zum Erliegen (Stuhlverhalt = Koprostase).

Schreitet die Erkrankung weiter fort (Ileuskrankheit), führt der durch Erbrechen ausgelöste Flüssigkeitsmangel zur Austrocknung (Exsikkose) mit Durst, trockener Zunge und trockener Haut sowie dunklem (konzentriertem) Urin. Schließlich bleibt die Urinproduktion aus.

Durch die zunehmende Überdehnung des Darms kommt es zur Darmlähmung (Paralyse) mit fehlenden Darmgeräuschen („stiller Bauch“). Die bislang kolikartigen Schmerzen lassen nach bzw. gehen in einen zunehmenden Dauerschmerz über.

Durch die Einschwemmung von Bakterien aus dem Darm ins Blutsystem kommt es zu Fieber, Schüttelfrost und zunehmender Schwäche.

2.

Symptome eines paralytischen Darmverschlusses

Durch die Darmlähmung (Paralyse) wird der Speisebrei samt Verdauungssäften nicht weiter nach unten transportiert, sondern staut sich auf. Es kommt zu Übelkeit sowie Erbrechen von Speisebrei (Mageninhalt) und zunehmend grünem Dünndarminhalt. Hierbei bestehen zunächst keine Schmerzen und es sind keine Darmgeräusche hörbar („stiller Bauch“). Mit zunehmend praller werdendem Darm kommt es zu fortschreitenden Dauerschmerzen, die jeweils nach entlastendem Erbrechen vorübergehend ausbleiben. Anfangs kann der Stuhlgang noch kurz erhalten sein, kommt aber im Laufe der Zeit zum Erliegen (Stuhlverhalt = Koprostase).

Behandlung und OP

1.

Untersuchungen bei Darmverschluss

Zunächst wird der Patient zu Symptomen und eventuellen Voroperationen befragt. Anschließend wird der Bauch abgetastet und abgehört sowie eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) durchgeführt. Auch eine Blutuntersuchung ist immer notwendig. Optional kann der Bauch geröntgt werden. Häufig ist aber eine Computertomographie (CT) notwendig, die Auskunft darüber gibt, wo und durch welche Ursache der Darmverschluss hervorgerufen wurde, ob der Verschluss komplett oder inkomplett ist, und ob ein mechanisches Hindernis oder eine Darmlähmung (Paralyse) vorliegt.

2.

Behandlung eines mechanischen Darmverschlusses

Um dem Patienten den Brechreiz zu mildern, aufstauenden Darminhalt abzuleiten und den Druck auf den Darm zu nehmen, wird meist eine Magensonde – ein etwa 0,5 cm starker Schlauch – über ein Nasenloch den Schlund hinab in den Magen eingelegt.

Ist der Darmverschluss eher inkomplett, können Abführmaßnahmen diesen oft erfolgreich lösen. Hierbei wirkt das im Rahmen der Computertomographie getrunkene oder über die Magensonde zugeführte Kontrastmittel abführend und kann den Verschluss beheben.

Gelingt es nicht innerhalb der nächsten Stunden einen solchen mechanischen Verschluss zu beseitigen, muss eine Operation über einen Bauchschnitt in konventioneller Technik erfolgen. Ein minimal-invasives Vorgehen in Schlüsselloch-Technik ist aufgrund der gestauten Darmschlingen bei einem Darmverschluss so gut wie nie möglich.

Entsprechend der Ursache des Verschlusses muss während der Operation vorgegangen werden. Beispielsweise kann ein operatives Lösen der Verwachsungen genügen. Ursächlich kann auch ein Tumor sein, der aufwändiger operativ entfernt werden muss. 

3.

Behandlung eines paralytischen Darmverschlusses

Um dem Patienten den Brechreiz zu mildern, aufstauenden Darminhalt abzuleiten und den Druck auf den Darm zu nehmen, wird meist eine Magensonde – ein etwa 0,5 cm starker Schlauch – über ein Nasenloch den Schlund hinab in den Magen eingelegt.

An erster Stelle stehen weiterhin Abführmaßnahmen und Anregungen der Darmtätigkeit um die Darmlähmung zu beheben. Eine Operation sollte beim paralytischen Darmverschluss erst nach vergeblicher Ausschöpfung der konservativen Therapieversuche als letzte Maßnahme erfolgen.

Einzig bei der Darmlähmung (Paralyse) im Endstadium eines verschleppten, mechanischen Verschlusses, steht die Operation dringlich an erster Stelle.

Auch bei einem paralytischen Darmverschluss muss eine Operation über einen Bauchschnitt in konventioneller Technik erfolgen. Ein minimal-invasives Vorgehen in Schlüsselloch-Technik ist aufgrund der gelähmten, aufgestauten Darmschlingen so gut wie nie möglich.

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Klinik Hallerwiese, Nürnberg
Allgemein- und Viszeralchirurgie
Prof. Dr. med. Klaus Günther

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