Aktuelles
ging zwar erst 1974 in das Eigentum des Neuendettelsauer Diakoniewerkes über, die Verbindung zum Diakonissen-Mutterhaus besteht jedoch von Anfang an.
Die Diakonisse Helene von Meyer, die die seit 1859 bestehende Krippenanstalt in der Tetzelgasse (bei der Egidienkirche) leitete, sah sich 1861 genötigt, ihre zahlreichen kranken kleinen Pfleglinge in einer eigenen Krankenstube zusammenzufassen. Ihr Familienarzt, der Homöopath Dr. Johann Reuter sen., übernahm unentgeltlich die Behandlung der kranken Kinder. Bereits am 01. Oktober 1863 musste die kleine Krankenabteilung auf zwei Zimmer mit zwölf Betten erweitert werden. Drei Nürnberger kirchliche Vereine übernahmen die Trägerschaft der nun bereits so genannten „ Kinderheilanstalt“. In diesem Jahr nahm der Allopath dr. Julius Cnopf die ärztliche Behandlung der kranken Kinder auf, ebenfalls ohne dafür Geld zu verlangen. Diakonisse Johanna Höllerer wurde als erste Oberschwester der kleinen Kinderheilanstalt nach Nürnberg entsandt. Im Mai 1865 verlegte man die Kinderheilanstalt in die Maxfeldstraße Nr. 181. Im Jahr 1876, nach Gründung eines eigenen Trägervereins, konnte das Haus auf der Hallerwiese bezogen werden – gegen manchen Widerstand Nürnberger Bürger.
Die Kinderheilanstalt war von Anfang an ein Haus für arme kranke Kinder. Waren die Pflegekosten nicht aufzubringen, wurde unentgeltlich behandelt, ohne Rücksicht auf Konfession oder Religion. Bemerkenswerterweise nahm Dr. Cnopf auch Kinder unter einem Jahr auf, obwohl die Säuglingssterblichkeit in den Krankenhäusern damals fast 100 Prozent betrug. – Die Jahresberichte der Neuendettelsauer Diakonissen verweisen immer wieder auf das wirtschaftliche Elend in den armen Familien jener Zeit. Viele Kinder wurden bereits als chronisch Kranke eingeliefert, skrofulös, rachitisch, unterernährt, missgebildet. In den späteren Jahren waren es dann die Infektionskrankheiten Scharlach, Masern, Typhus, Steinblattern (Windpocken) und besonders die Diphterie, mit denen Ärzte und Schwestern zu kämpfen hatten.
Dr. Julius Cnopf (1823 – 1906) widmete sich den Kindern in väterlicher Güte und Herzlichkeit, die Verehrung der Mitarbeiter im Pflegedienst für diese ärztliche Persönlichkeit nahm Jahr für Jahr zu. Als Arzt arbeitete der jahrzehntelang nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dass er persönlich ein frommer Mann war, „der seinen Heiland liebhatte“, wird von Oberschwester Sibylla Reutin in ihrem Nachruf auf den „hochverehrten Herrn Hofrath“ besonders hervorgehoben.
Sein Sohn, Dr. Rudolf Cnopf, der die Klinik bis 1936 führte, trieb den Ausbau der Kinderklinik zügig voran. Mit dem Chirurgen Dr. Wilhelm Butters zusammen brachte er das Haus auf den neuesten Stand. In den Jahren 1929/1930 wurde der längst fällige Neubau unter Einbeziehung des bisherigen Gebäudebestandes fertiggestellt. Die beträchtlichen Kosten dafür waren nur durch einen Appell an die wohltätige Gesinnung der Nürnberger Bürgerschaft aufzubringen.
Im Jahre 1936 übernahm der bereits seit 1905 im Kinderspital wirkende Oberarzt Dr. Karl Kaspar die ärztliche Leitung. Der Zweite Weltkrieg führte zu einem weiteren Andrang kranker Kinder, so dass zeitweilig sogar das danebenliegende Logen-Gebäude als Notkinderklinik mit einbezogen werden musste. Als jedoch 1943 die Luftangriffe auf Nürnberg immer stärker wurden, wurde der ganze Spitalbetrieb nach Neuendettelsau ausgelagert.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges konnte die Klinik bald wieder in Betrieb genommen werden, nötige Sanierungs- und Neubaumaßnahmen wurden im damals möglichen Rahmen durchgeführt. Das hundertjährige Jubiläum 1964 war noch ein letzter Höhepunkt der Kinderklinik unter der alten Trägerschaft.
Am 01.01.1969 wurde der langjährige Oberarzt und Stellvertreter des Chefarztes, Dr. Emil Engelhardt, zum Leiter der Cnopf´schen Kinderklinik berufen. Dieser erfahrene Arzt, der von seinen Mitarbeitern sehr geschätzt wurde, musste erleben, dass die Klinik aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation nicht mehr weitergeführt werden konnte. Das Evang.-Luth. Diakoniewerk Neuendettelsau übernahm schließlich die Cnopf´sche Kinderklinik.
War die „Kinderheilanstalt“ seinerzeit von kirchlichen Vereinen getragen, so kam die Kinderklinik nun wieder in kirchlich-diakonische Obhut.
Die pädiatrischen und kinderchirurgischen Leistungen des Hauses, der Pflegedienst und die Verwaltung werden in dieser Festschrift von den hierfür verantwortlichen Persönlichkeiten dargestellt. Die Mitarbeiter des Hauses wissen, dass der Dienst an den Kleinsten in besonderer Weise ein Auftrag Jesu Christi ist. Die Liebe, die den Kindern zuteil wird, macht wohl die immer wieder gerühmte „Atmosphäre“ der Cnopf´schen Kinderklinik aus. Dies darf auch im neuen Haus nicht anders werden.
Die Klinik Hallerwiese und die Cnopf´sche Kinderklinik werden ihre Geschichte und ihren „Geist“ in die DiaMed Kliniken Nürnberg einbringen.
hat, zumindest nach Meinung von Rektor Bezzel, ihre Wurzeln im „Weiblichen Kranken- und Hilfsverein zu Nürnberg“ von 1859 und im „Hilfsverein für weibliche Diakonie in Nürnberg“ von 1869. Beide Vereine haben für begrenzte Zeit mit Neuendettelsauer Diakonissen „Krankenwartstationen“ betrieben.
Im Jahre 1880 gründete Hofrat Dr. Göschel den „Verein für Krankenpflege“, aus dem dann die spätere Klinik Hallerwiese hervorging. Allerdings war dies ein bürgerlicher, kein kirchlicher Verein, was bei Rektor Meyer zunächst Bedenken im Blick auf die Entsendung von Diakonissen hervorrief.
Die zuerst in der Jabkomsstraße Nr. 38 eingerichtete Krankenwartstation, die noch einige Male ihr Quartier wechselte, wurde 1889 nach Hallerwiese Nr. 30 verlegt. Damals waren bereits zwölf Schwestern unter Leitung der Oberschwester Wally von Trotha tätig. Sie versah ihren Dienst bis 1894, mit großer Liebe insbesondere zu den Armen. Dann wurde sie von Oberschwester Cornelie Hager abgelöst.
Im Jahr 1899 wird aus der Krankenwartstation ein „kleines Krankenhaus in der Diakonissenstation Hallerwiese“. Oberschwester wird nun die Diakonisse Clementine von Verschuer. Sie steht einem Haus mit zwölf Krankenbetten vor, das „mit Berücksichtigung aller hygienischen Anforderungen der Jetztzeit gebaut und eingerichtet“ ist.
Die Auslastung des Hauses lässt zeitweilig zu wünschen übrig, verbessert sich jedoch zusehends, als 1906/07 einige Ärzte in besonderer Weise an die Klinik gebunden werden, vor allem der Chirurg Dr. Butters. Durch den Kauf des „Kaffeegartens“ und des „Häuschens“ wird die Anzahl der „Pflegeplätze“ auf 25 bis 27 erhöht.
Bereits 1917/18 kommt es zwischen dem „Verein für Krankenpflege in Nürnberg“ und der Diakonissenanstalt Neuendettelsau zu Verhandlungen zwecks Übernahme der kleinen Klinik, jedoch ohne Ergebnis. Trotzdem wurde die Klinik wie eine Neuendettelsauer Filiale behandelt, d. h. es wurde für die Diakonissen eine ermäßigte Gestellungsabgabe in Rechnung gestellt.
Unter Führung des neuen Vereinsvorsitzenden Dr. Butters wagte man 1927 den Neubau einer Klinik. Die Planung führte Deutschlands renommiertester Architekt, Geheimrat German Bestelmeyer, durch. Aus verschiedenen Gründen wurde der Kostenvoranschlag für das 60-Betten-Haus um das Doppelte überzogen. Dem Verein für Krankenpflege war es schließlich nicht mehr möglich, die verhältnismäßig hohen Zinsen termingerecht zurückzuzahlen. Entsprechend verheerend fiel eine Überprüfung der finanziellen Situation im Sommer 1932 durch den Hauptgläubiger, die Stadtsparkasse Nürnberg, aus. Um den Konkurs abzuwenden, wandte sich Sanitätsrat Dr. Butters an Rektor D. Lauerer mit der Bitte, die Diakonissenanstalt Neuendettelsau möge die Klinik mit allen Lasten und Rechten übernehmen.
Am 01. Juli 1933 ging die Klinik Hallerwiese in das Eigentum der Diakonissenanstalt über. Als kirchliche Einrichtung konnte sie weitgehend aus den zu dieser Zeit einsetzenden staatlichen Maßnahmen zur Reorganisation des Krankenpflegewesens im Sinn des Dritten Reiches herausgehalten werden. Das für eine Belegklinik entscheidend wichtige Amt der Oberschwester hatte weiterhin Diakonisse Maria Braun inne (seit 1930). Für den inneren Ausbau des Hauses war es von Bedeutung, dass 1938 eine staatlich anerkannte Krankenpflegeschule eröffnet werden konnte.
Den Zweiten Weltkrieg übersteht die Klinik zunächst unversehrt. Aber bei dem Bombenangriff am 03.10.1944 gibt es drei Tote. Bei der Bombadierung am 21.02.1945 gibt es nur schwerste Gebäudeschäden, und auch die Belagerung und Einnahme Nürnbergs durch die Amerikaner fordert keine weiteren Opfer.
Mitten in den Wirren der letzten Kriegswochen, im Februar 1945, übernimmt Diakonisse Leni Müller die Leitung der Klinik. Zu ihren ersten Aufgaben nach Kriegsende gehört der Versuch, das schwer angeschlagene Haus, insbesondere die Heizung, wieder einigermaßen instandzusetzen. Reparieren, Sanieren, Erweitern bleiben die Kennzeichen ihrer langen Tätigkeit in der Klinik Hallerwiese.
Pfarrer Dr. theol. Friedrich Sticht
Konrektor im Evang.-Luth. Diakoniewerk Neuendettelsau von 1978 – 1986
Der dritte Rektor der Diakonissenanstalt Neuendettelsau, Hermann Bezzel, bemerkt zum Jahresbericht der Klinik Hallerwise über das Jahr 1905: Es sei doch zu überlegen, ob die Beckh´sche Klinik und die Cnopf´sche Kinderklinik nicht mit der Klinik Hallerwiese verbunden werden könnten. – Oberschwester Clementine von Verschuer wunder sich, „dass Sie daran denk, die Beckh´sche Klinik und sogar die Kinderklinik könne in unsere Sache mit einbezogen werden … .Die Kinderklinik … könnte doch schwerlich mit unserer Sache verschmolzen werden. Wie haben Sie sich das wohl gedacht?“
Bezzels Überlegungen werden nun also nach über 80 Jahren Wirklichkeit. Dieses für beide Häuser historische Ereignis ist Anlass, einen Blick in ihre jeweilige Geschichte zu werfen.
Die Wiederaufbaumaßnahmen der Klinik werden offiziell am 27.01.1949 abgeschlossen. Das Haus verfügt nun über 155 Betten, allerdings in drangvoller Enge. Dem weiteren äußeren Ausbau geht der innere Ausbau, insbesondere des beruflichen Schulwesens, voran: Die Ausbildung von Krankenhaushelferinnen und von hauswirtschaftlichen Lehrlingen wird aufgenommen in der Erwartung, dass bei Eignung und entsprechender innerer Haltung dadurch Nachwuchs für die Krankenpflege gewonnen wird Die sechziger Jahre sind gekennzeichnet durch Erweiterung und Sanierung der Klinik. Zunächst wird im Artrium-Stil ein Westflügel angebaut, danach die Westseite und die Mitte der Hauptklinik aufgestockt, was insbesondere den Entbindungsräumen und der Wochenstation sowie der Gynäkologischen Abteilung zugute kommt. Schließlich hat die Klinik im Jahr 1967 200 Betten (dazu 30 Säuglingsbetten). Im Jahr 1978 geht die Leitung der Klinik an Diakonisse Hildegard Best über. Ihr fällt nun in besonderer Weise die Aufgabe zu, die Zusammenführung mit der Cnopf´schen Kinderklinik vorzubereiten.
Cnopf'sche Kinderklinik /
Klinik Hallerwiese
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